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Paul Lincke

 

Carl Emil Paul Lincke erblickte am 7. November 1866 in Berlin das Licht der Welt und verbrachte seine Kindheit in bescheidenen Verhältnissen. Seine hohe Musikalität drückte sich in seiner frühen Begeisterung für die Musik der Militärkapellen aus. Dank seines Talents konnte er eine kostenlose musikalische Ausbildung in der Wittenberger Stadtpfeiferei absolvieren. Dort komponierte er auch sein erstes Stück, den (verschollenen) Marsch „Gruß an Wittenberge“. 

Seine anschließende Hoffnung, Militärmusiker zu werden, zerschlug sich wegen seiner zu schmächtigen Konstitution. So fand er 1884 als Fagottist in einem Berliner Sommerlokal eine erste Anstellung und stieg dort und in weiteren Theatern rasch zum Korrepetitor und Dirigenten auf. Auch feierte er erste Erfolge als Komponist vor allem von Couplets (mehrstrophigen Liedern mit witzigen, oft zweideutigen und auch politisch-satirischen Texten). 

1893 wurde Lincke als Erster Dirigent an das Berliner Apollo-Theater engagiert, wo ihm der Durchbruch als Komponist größerer Werke gelang, die sich irgendwo zwischen Posse mit Gesang und Kurzoperette einordnen lassen. Nach einem anderthalbjährigen Gastspiel als Dirigent im Pariser Varieté Folies Bergère komponierte Lincke 1899 am Apollo-Theater die Musik zur Operette Frau Luna, die zum Inbegriff der Berliner Operette schlechthin wurde. Nach weiteren dortigen Erfolgen wechselte er 1905 ans Thalia-Theater und 1908 für zwei Spielzeiten ans Metropol-Theater, wo er die Musik zu Schwänken, Possen und Revuen komponierte, die er zugleich über seinen Apollo-Verlag vertrieb (darunter seine großen Erfolge wie „Das macht die Berliner Luft“ oder das „Glühwürmchen-Idyll“). 

In der Öffentlichkeit eher wenig bekannt ist, dass Lincke auch einer der ersten Komponisten von Filmmusik war und dass er eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung des musikalischen Urheberrechts im Sinne der Komponisten und Textdichter innehatte.

Die letzten Kriegsjahre verbrachte Lincke in Marienbad, von wo er nicht mehr nach Berlin zurückkehrte (seine Wohnung fiel Fliegerbomben zum Opfer). Aus gesundheitlichen Gründen zog er im Alter von 79 Jahren nach Goslar-Hahnenklee, wo er die letzten Monate seines Lebens verbrachte. Er starb am 3. September 1946 im Krankenhaus von Clausthal-Zellerfeld und fand auf dem Friedhof in Hahnenklee seine letzte Ruhestätte. 

Foto: „Lincke-Sammlung Kutscher“